Ausbildungsleitlinien Qigong

AALL Qigong

Präambel

Qigong ist ein aus China stammendes Übungssystem, dessen Praxis Aspekte der Gesundheit, Meditation  und Kampfkunst in sich vereint und die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung enthält.

Qigong hat zwar nicht die gleiche historische Entwicklung wie die  Traditionelle Chinesische Medizin (TCM),

aber Qigong wird in der Praxis heute immer häufiger als eng mit der TCM verbunden gesehen. Qigong hat sich vor dem Hintergrund der östlichen Philosophie und Tradition entwickelt. Die gesammelten Erfahrungen aus diesem Übungssystem haben sich in den klassischen Schriften des Qigong und den klassischen Schriften der TCM niedergeschlagen, sie stellen den philosophischen und theoretischen Gehalt des Qigong dar.

Qigong wird als Weg der Lebenspflege bzw. als Übungsweg, der die geistigen und körperlichen / seelischen

Aspekte des menschlichen Lebens in Einklang bringen möchte bezeichnet. Dazu gehört, dass das Übungsgut entsprechend den individuellen Möglichkeiten täglich geübt und gepflegt wird. Das führt zu der Einsicht, dass das Üben und damit das Leben ein lebenslanger Lernprozess ist.

Zielsetzung

Die AL beschreiben Mindestanforderungen im Sinne einer Qualitätssicherung, die nicht unterschritten werden dürfen, aber jederzeit überschritten werden können. Die hier formulierten Qualitätsrichtlinien dienen der Transparenz, dem Schutz der Schüler und Schülerinnen (Kundenschutz), sind Grundlage für eine Zertifizierung durch die Ausbildungsinstitutionen bzw. die Legitimierung durch den DDQT (Gütesiegel) und für ein entsprechendes Berufsbild. Die AL beschreiben die Bedingungen für eine nebenberufliche Ausbildung, so wie sie sich hier in Deutschland derzeit etabliert hat.

Die AL sind allgemein, grundlegend und weit gefasst, um der großen Vielfalt der Schulen, Richtungen und

Traditionen Raum zu bieten, sich weiter zu entfalten und zu entwickeln. Die AL sind dabei keiner bestimmten

Richtung verpflichtet. Jede Ausbildungseinrichtung (sowie jede/r Ausbilder/in) soll ihre / seine Ausbildung selbst, auf der Basis der AL, mit konkreten Inhalten und Qualitäten füllen und ein individuell spezifiziertes

Ausbildungscurriculum entwickeln, das auch differenziertere und umfassendere / weitergehende Ziele beinhalten kann, aber die in den AL festgelegten grundsätzlichen Rahmenanforderungen als Mindestanforderungen nicht unterschreiten darf.

Voraussetzungen und Vorerfahrungen

Die Qigong-Ausbildung ist für Menschen gedacht, die Freude an Qigong finden können und die sich mit Hilfe dieses Übungssystems bewusst Zeit nehmen wollen, ihren körperlichen und geistigen Zustand zu entwickeln und die sich hierdurch auch die Fähigkeit aneignen, das Übungsgut weiter zu vermitteln oder die es auch in ihren Beruf integrieren wollen.

Voraussetzungen für die Teilnahme am Ausbildungsgang sind:

– Eine durchschnittliche körperliche Beweglichkeit und Bewegungsfähigkeit

– Eine durchschnittliche psychische Stabilität und Belastbarkeit

– Offenheit und Interesse an den Ausbildungsinhalten und dem Ausbildungsansatz

– Die Selbstverpflichtung der Teilnehmer, das Übungsgut täglich mindestens 30 Minuten zu üben
  und zu pflegen

Vorerfahrungen sind für die Ausbildung vorteilhaft und können unter bestimmten Umständen für eine

Ausbildung angerechnet werden. Vorerfahrungen sind z.B.  ein– oder mehrjähriger Qigong– oder Taijiquan-Übungserfahrungen oder gesundheitsbezogene Ausbildungen oder Ausbildungen im medizinischen, sport- bzw. im pädagogischen Berufsbereich.

Das Ausbildungskonzept

Dem Ausbildungskonzept liegt inhaltlich ein Ausbildungsprogramm zu Grunde, das aus drei in  sich abgeschlossenen Ausbildungsgängen besteht, die als aufeinander aufbauende und sich ergänzende Qualifikationsstufen konzipiert sind.

Stufe 1:   Kursleiter/in  (KL)

Stufe 2:   Lehrer/in        (L)

Stufe 3:   Ausbilder/in   (AB)

Für die jeweiligen  Ausbildungsstufen werden vom Ausbilder bzw. der Ausbildungseinrichtung Ausbildungsbescheinigungen (Zertifikate) ausgestellt. Sie müssen differenzierte Angaben über Ausbildungsinhalte, Ausbildungszeitraum (Jahre) und über die Ausbildungsstunden (UE) enthalten. Für den Abschluss der verschiedenen Stufen sind die Ausbildungsjahre, die gehaltenen Unterrichtsstunden (UE) und die eigenen Übungsstunden entscheidend.

Für langjährig arbeitende erfahrene oder asiatische Lehrer, die die formalen Bedingungen einer Ausbildung nicht schriftlich nachweisen können, werden Sonderregelungen getroffen. Ein Gremium entscheidet darüber, ob eine entsprechende Qualifikation den Anforderungen nach Transparenz entspricht und anerkannt werden kann.

Die im Folgenden genannten Inhalte der Ausbildungsstufen sind in  Fähigkeiten in der Qigong Praxis   und in theoretische Kenntnisse untergliedert. Die jeweiligen Fähigkeiten in der Qigong Praxis  beschreiben einen Minimalkonsens und bilden die Praxis-Mindestanforderung, um die jeweilige Ausbildungsstufe verantwortungsvoll erfüllen zu können.  Die Inhalte der  theoretischen Kenntnisse in Allgemeiner Qigong-Theorie, Traditioneller Chinesische Medizin (TCM) westlicher Medizin, Sport-, Gesundheitswesen und  Pädagogik, Kommunikation 
 zeigen beispielhaft empfohlene mögliche Schwerpunktsetzungen zum  Füllen der jeweils vorgegebenen mindestens zu erteilenden Unterrichtseinheiten in den einzelnen Theorie-Themenblöcken zur Auswahl für die  Ausbildungseinrichtungen.

Stufe 1: Kursleiter/in (KL)

Zertifizierung:

Nach Abschluss der Ausbildung wird vom Ausbildungsinstitut ein Zertifikat zum/r „Qigong-Kursleiter/in“ ausgestellt. Der Kursleiter ist berechtigt, nach Abschluss der Stufe 1 im Rahmen der Prävention und des Kennenlernens von Qigong fortlaufende Wochenkurse und Wochenendseminare in Qigong zu leiten.

Ausbildungszeiten:

Ausbildungsunterricht:      Empfehlung auf 2 Jahre verteilt / mindestens 250 UE

Übungserfahrung:             Mindestens 2 Jahre / mindestens 0,5 Stunden täglich

Unterrichtserfahrung:        Es darf noch kein Unterricht erteilt werden

Ausbildungsinhalte:

Fähigkeiten Qigong Praxis    (mind. 175 UE)

– Mindestens eine Übungsreihe aus dem Übungssystem des bewegten Qigong (Donggong)

– Mindestens eine Übungsreihe aus dem Übungssystem des stillen Qigong (Jinggong)

– Kleine Übungsreihen im Liegen, im Sitzen, im Stehen und im Gehen

Kenntnisse allgemeine Qigong Theorie    (mind. 25 UE)

Zum Beispiel:

– Wurzeln des Qigong (Quellen)

– Schulen, Traditionen, Richtungen, Stile, Systeme des Qigong

– Definition und Charakteristika von Qigong

– Grundlagenkenntnisse der drei Säulen des Qigong (Körper, Geist, Atmung)

– Möglichkeiten und Grenzen des Qigong in verschiedenen Einsatzgebieten

Kenntnisse in TCM   (mind. 25 UE)

Zum Beispiel:

– Die Polaritäts-Prinzipien (Yin Yang)

– Die 5 Elemente / Wandlungsphasen

– Das Meridiansystem

Kenntnisse in westlicher Medizin / Sport- bzw. Gesundheitswissenschaften  (mind. 12,5 UE)

Zum Beispiel:

– Grundkenntnisse in Anatomie und Physiologie

– Gesundheitsbegriff/-verständnis

– Kenntnisse in Erster Hilfe

Kenntnisse in Pädagogik    (mind. 12,5 UE)

Zum Beispiel:

– Allgemeine Pädagogik

– Didaktik und Methodik des Qigongunterrichts

– Spezielle Lehr– und Lern-Problemkomplexe

Empfehlungen zur Anerkennung eines Kursleiters

Unterrichtsproben, Erfahrungsbericht oder Referat, Abschlussprüfung, Hospitation, Assistenz, Anerkennung vom Ausbilder, Qualitätsstandards für Prüfungen: Formkenntnisse, Kenntnisse der Qigong Prinzipien, Anwendungskenntnisse usw.

Stufe 2: Lehrer/in (L)

Zertifizierung:

Nach Abschluss der Ausbildung wird vom Ausbildungsinstitut ein Zertifikat zum/r „Qigong-Lehrer/in“ ausgestellt. Der Lehrer ist berechtigt, nach Abschluss der Stufe 2 fortlaufende Wochenkurse und Wochenend– und Wochenblockseminare in Qigong zu leiten und er ist berechtigt unter der Gesamtverantwortung eines Ausbilders an der Ausbildung von Kursleitern eigenverantwortlich und an der Ausbildung von Lehrern als Assistent/in mitzuarbeiten.

AusbildungsZeiten:

Ausbildungsunterricht:      Empfehlung auf 3 Jahre verteilt / mindestens 250 UE

Übungserfahrung:             Soll 3 Jahre (insgesamt mind. 5 Jahre) mindestens 0,5 Stunden täglich

Unterrichtserfahrung:        Soll 3 Jahre / mindestens 180 UE nachweisbare Kurs-Unterrichtserfahrung

Ausbildungsinhalte:

Fähigkeiten in Qigong-Praxis  (mind. 150 UE)

– Inhalte der Stufe 1

– Mindestens drei Übungsreihen aus dem Übungssystem des bewegten Qigong (Donggong)

– Mindestens drei Übungsreihen aus dem Übungssystem des stillen Qigong (Jinggong)

– Spezielle ergänzende Übungsreihen zur Schulung von Bewegung, Haltung und Kraft

Kenntnisse allgemeine Qigong-Theorie     (mind. 25 UE)

Zum Beispiel:

– Inhalte der Stufe 1

– Entstehungs– und Entwicklungsgeschichte des Qigong

– Grundlagenwissen über den Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus

– Wirkungsprinzipien des Qigong

– Sichere und umfassende Kenntnisse der drei Säulen des Qigong (Körper, Geist, Atmung)

– Qi, Jing-Essenz und Shen-Geist

– Möglichkeiten und Grenzen des Qigong in verschiedenen Einsatzbereichen (z.B. Gewaltprävention)

– Kenntnis von Nebenwirkungen und möglichen Zwischenfällen

– Grenzen der eigenen Möglichkeiten

Kenntnisse in TCM    (mind. 37,5 UE)

Zum Beispiel:

– Das Meridiansystem (Vertiefung)

– Die Substanzen des Lebens

– Das chinesische Körper-Energie-Modell

– Die Organ-Theorie

– Chinesische Pathologie

Kenntnisse in westlicher Medizin / Sport- bzw. Gesundheitswissenschaften   (mind. 25 UE)

Zum Beispiel:

– Kenntnisse in Anatomie und Physiologie (Vertiefung)

– Kenntnisse Bewegungslehre

– Kenntnisse Entspannungs-/ Stresstheorien

– Gesundheitsbildung, Gesundheitsförderung

– Salutogenesetheorie, Präventionstheorien

Kenntnisse in Pädagogik   (mind. 12,5 UE)

Zum Beispiel:

– Inhalte der Stufe 1 (Vertiefung)

– Kommunikationstechniken

Empfehlungen zur Anerkennung eines Lehrers

Abschlussprüfung , Abschlussarbeit oder Referat, Assistenz, Hospitation, Unterrichtsproben, , Anerkennung vom Ausbilder, Qualitätsstandards für Prüfungen:  Formkenntnisse, Kenntnisse der Qigong Prinzipien u.a., schriftliche Tests, Anwendungskenntnisse, Strategien für Konfliktsituationen, Transfer der Prinzipien in den Alltag usw.

Stufe 3: Ausbilder/in (AB)

Zertifizierung:

Qigong-Lehrer können von den Ausbildungsinstitutionen bzw. dem DDQT als „Qigong-Ausbilder“ anerkannt werden. Der Ausbilder ist berechtigt, nach Abschluss der Stufe 3 fortlaufende Wochenkurse und Wochenend– und Wochenblocksemianre in Qigong zu leiten und Kursleiter und Lehrer entsprechend den AL in Qigong auszubilden. Für diesen Ausbildungsgang gibt es keine Abschlussprüfung. Der Lehrer wird nach Überprüfung der im Weiteren genannten Voraussetzungen, aber ohne Prüfung, zum Ausbilder ernannt.

Ausbildungszeiten:

Weiterbildungszeit:   Empfehlung auf 5 Jahre verteilt / mindestens 280 UE

Übungserfahrung:             Soll 5 Jahre (insgesamt mind. 10 Jahre) mindestens 0,5 Stunden täglich

Unterrichtserfahrung:        Soll 5 Jahre (insg. mind. 8 Jahre)/mindestens 300 UE, einschl. Assistenzzeiten

Ausbildungsinhalte:

Fähigkeiten in Qigong-Praxis   (mind. 170 UE)

– Vertiefung der Inhalte der Ausbildungsstufen 1 und 2

– Weitere Übungsreihen des Donggong und Jinggong im Liegen, im Sitzen, im Stehen und im Gehen

Kenntnisse allgemeine Qigong-Theorie     (mind. 28 UE)

Zum Beispiel:

– Vertiefung der Inhalte der Ausbildungsstufen 1 und 2

– Philosophie, Religion und Politik in China und ihr Einfluss auf Qigong bis heute

– Qigong in China und Deutschland früher und heute

– Probleme des Kulturtransfers

– Fundierte Kenntnisse der Haltungs-, Bewegungs– und Atemprinzipien

– Weitere Qigong-Begriffe

– Chinesisch für Qigong-Kursleiter/innen

– Abgrenzung von der therapeutischen Intervention

Kenntnisse in TCM   (mind.  39 UE)

Zum Beispiel:

– Vertiefung der Inhalte der Ausbildungsstufen 1 und 2

– Behandlungsprinzipien der TCM

Kenntnisse in westlicher Medizin / Sport- bzw. Gesundheitswissenschaften   (mind. 28 UE)

Zum Beispiel:

– Vertiefung der Inhalte der Ausbildungsstufen 1 und 2

– Kenntnisse in anderen Körperbewegungs-Systemen / Bewegungslehren

– Vertiefung Prävention, Gesundheitsförderung spezielle Konzepte/Zielgruppen, 
  z.B. betriebliche Gesundheitsförderung, Senioren, Kinder

– Hirnforschung

– Lerntheorien

Kenntnisse in Pädagogik (mind. 15 UE)

Zum Beispiel:

– Spezielle Vertiefung der Inhalte der Ausbildungsstufen 1 und 2

– Eigenständiges Arbeiten

– Selbstreflektion / Selbsterfahrung

– Methodik und Didaktik

Je nach Ausbildungsschwerpunkt sind der eigenen Gestaltung des Ausbildung keine Grenzen gesetzt (Zielgruppen- oder Fachspezifisch), soweit die grundlegenden Mindestanforderungen als erfüllt erkannt werden können.