Taijiquan

Taijiquan-FormenTaijiquan, Tai Chi Chuan oder auch Schattenboxen ist eine sehr alte Bewegungskunst, die zu den bekanntesten Übungssystemen Chinas gehört. Während vor dem 19. Jahrhundert die Selbstverteidigung im Vordergrund stand, ist es heute die ganzheitliche Erfahrung von Körper, Geist und Seele sowie Prävention und Therapie im Gesundheitsbereich.

Geschichtliche Entwicklung des Taijiquan

Die legendären Ursprünge des Taijiquan werden in die Zeit des Gelben Kaisers (Huáng Di, um 2600 v. Chr.) gelegt, eine Zeit, in der sich in China die Philosophie, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Kampfkünste entwickelten. Die nachweisbar historische Entstehung geht zurück auf den General Chen Wangting (1600-1680) aus dem Dorf Chenjiagou in der Henan Provinz. Man unterscheidet im Taijiquan im Wesentlichen fünf Hauptstilrichtungen: den Chen-, Yang-, alten und neuen Wu- und den Sun-Stil. Nachdem das Taijiquan im 19. Jahrhundert aus Chenjiagou nach Peking gelangte und dort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine gewisse Verbreitung erfuhr, wurde es erst in den 1950er Jahren einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, als die chinesische Regierung seinen gesundheitlichen Wert entdeckte und es in einer vereinfachten Kurzform für alle Bevölkerungsschichten erlernbar machte. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Schulen in den USA.

Taijiquan in den Kampfkünsten

Taijiquan gehört zu den Inneren Kampfkünsten, im Gegensatz zu denen des Shaolin Klosters, die zu den Äußeren Kampfkünsten zählen. Die teilweise komplexen Übungsabläufe sind in ihrer Form und Reihenfolge festgelegt und lassen sich alle auf Techniken der Selbstverteidigung zurückführen. Wohl am bekanntesten ist das morgendliche „Schattenboxen“ in den Parkanlagen Chinas, das eine stark vereinfachte und verkürzte Form des traditionellen Taijiquan darstellt. Taijiquan setzt mehr auf die innere Energie (Qi), verbunden mit fließenden runden Bewegungen, als auf Muskelkraft. Das Starke und Harte soll durch das Schwache und Weiche überwunden werden. Bei einem Angriff passt man sich dem Stil des Gegenübers an und versucht sie bzw. ihn mit den eigenen Waffen zu schlagen. Auf einen Angriff wird mit Nachgeben reagiert und beim Zurückweichen des Gegenübers folgt man. Innerhalb der jeweiligen Stilrichtungen gibt es die Soloform, die Partnerform („tuǐ shǒu“ = schiebende Hände oder „Pushing Hands“) und die Waffenformen, welche in ihrer Bandbreite von Stil zu Stil unterschiedlich sind. Taijiquan ist seiner Wirksamkeit anderen Kampfstilen ebenbürtig und kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden.

Taijiquan, Daoismus und Yi Jing

yin_yangDie geistigen Grundlagen des Taijiquan finden sich im Daodejing (Lǎozǐ), dem Buch vom Weg und der Tugend und im Yi Jing (I Ging), dem Buch der Wandlungen.
Der Begriff „Taiji“ weist auf die ursprüngliche schöpferische Kraft des Universums hin bzw. auf das allerhöchste Wirkprinzip, während „Quan“ für die „Faust“, für den „Kampf ohne Waffe“ steht. Eine sehr freie Übersetzung könnte demnach „Kampf nach den Prinzipien des Universums“ sein. Eines der wichtigsten Prinzipien der chinesischen Philosophie, der stetige Wandel, wird in jeder Taiji–Form erfahrbar. Die Übungen durchlaufen einen fließenden Wechsel zwischen Yin und Yang, d.h. zwischen vor und zurück, sinken und steigen, der Leere und der Fülle. Hierbei kommt dem Qi, der kosmischen Urkraft, besondere Bedeutung zu. Im Verständnis des Daoismus ist das Qi verantwortlich für unsere Lebensenergie und damit auch für unsere Gesundheit. Das oberste Ziel von Taijiquan ist die Harmonie von Körper, Geist und Seele.

Taijiquan in der Prävention und Therapie

Taijiquan wird in langsamen fließenden und runden Bewegungen geübt. Die Konzentration auf den eigenen Körper beruhigt den Geist und führt zu einer Meditation in der Bewegung. Regelmäßiges Üben von Taijiquan trägt zu einem besseren Körpergefühl bei. Es vertieft den Atem, beugt Haltungsschäden vor, lindert Wirbelsäulen- und Gelenkprobleme, reduziert die Stressanfälligkeit, verbessert den Gleichgewichtssinn, erhöht die Konzentrationsfähigkeit und stärkt das Herz-Kreislaufsystem. Es ist für Führungskräfte im stressigen Arbeitsalltag ebenso geeignet, wie für ältere Menschen, die sich fit und gesund halten wollen. Taijiquan will und kann den Arzt nicht ersetzen. Sind bereits körperliche Beschwerden vorhanden, kann Taijiquan jedoch eine zusätzliche Maßnahme sein, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Voraussetzung hierfür ist in jedem Fall eine qualifizierte Anleitung durch zertifizierte ÜbungsleiterInnen oder Lehrkräfte.

Taijiquan Schulen

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Schulen in denen Taijiquan gelehrt wird. Für die hohe Qualität der Schulen des Deutschen Dachverbandes für Taijiquan und Qigong (DDQT) garantieren wir mit der Vergabe eines Gütesiegels, das eine solide Ausbildung entsprechend der Allgemeinen Ausbildungsleitlinie für Taijiquan (AALL Taijiquan) und eine kontinuierliche Weiterbildung der ÜbungsleiterInnen und Lehrkräfte voraussetzt.

Links zu Taijiquan

Taijiquan-Lehrer finden sie unter den Menüpunkten Gütelsiegelträger und DDQT Mitgliederliste. Weiterführende Informationen zu Taijiquan finden Sie auf den Websites der Ausbilder des DDQTs sowie auf Taiji-Forum.de.

Autoren: Peter Titze und Jan Silberstorff

Fotos: DDQT.de