Taiji-Quan ist zunächst Kampfkunst. Sie stammt von „Schwachen“, die sich gegen starke Soldaten oder Räuber wehren mussten. Einfache Menschen entwickelten effektive Selbstverteidigungstechniken, die später natürlich auch in Kampfeinheiten übernommen wurden.
Grundlegende Prinzipien („Wasser umfließt Erstarrtes“) werden in körperlich-psychischem Training erlebt und schließlich als körperliche Erfahrung verinnerlicht. Damit eröffnet sich allmählich die Möglichkeit, mit roher Gewalt anders umzugehen, als üblicherweise (mit Gegenkraft, Aushalten, Fliehen oder Kollaps). Zielorientiertes, geschicktes Gewinnenwollen verliert an Bedeutung. Stattdessen entwickelt sich die Bewegungs-Kunst: Gewandt und prozessorientiert mit einem Geschehen verbunden sein, vergleichbar mit Segeln oder Surfen. Eine Veränderung einer Situation wird nicht willentlich erzwungen, sondern ergibt sich aus Wechselwirkungen aller Wirkkräfte, die günstig beeinflusst werden.
So eröffnet sich die Möglichkeit, durch körperlich-psychisches Taiji-Training Friedensfähigkeit zu entwickeln. Es kann körperlich erlebbar verdeutlicht werden, dass gerade in Not, Bedrohung oder Stress, ruhiges, konsequentes, intelligentes Handeln wesentlich effektiver ist, als aus einer schwachen Position gegen Gewalt vorzugehen. Taiji-Körpererfahrung zeigt: Es ist möglich, zu gewinnen, ohne zu kämpfen.
Entscheidend dafür ist die innere Einstellung. Ist sie offen, ruhig und ausgeglichen, folgen Harmonie (jenseits von gewollten Zielen), Verbindungen, Beziehungen, Verstehen, Lernen, Austausch und Wechselwirkungen. Die Kultivierung dieser Kunst erfordert, wie jedes Handwerk, viel Übung und Geduld.
Das Erleben der philosophischen und körperlichen Grundprinzipien des Taiji kann hinführen zu einem friedlichen, harmonischen, bewegten und wechselwirkenden Ganzen. Diese Art der Lebenskunst kann auf viele Bereiche des Alltagslebens übertragen werden: andere Kunstformen, Handwerk, Sport, Heilungsprozesse, Management, Konfliktkommunikation u.v.a.
Über die Vermittlung von „Selbstverteidigung“ oder „Gesundheitsförderung“ hinaus, kann sich Taiji-Lehrenden also ein neues Wirkungs- und Entwicklungsfeld eröffnen. Sie können ihren Schüler:innen wirksame Alternativen zur vorherrschenden „Sicherheitslogik“ aufzeigen, die sich gegen etwas richtet, Kriegstüchtigkeit und Hochrüstung verlangt, und die letztlich zu Kriegen führt. Taiji-Lehrende können stattdessen Friedensfähigkeit fördern: die Kunst, unter schwierigsten Bedingungen ruhig zu bleiben, und friedvolle Entwicklungen zu bahnen. Taiji könnte (körperlich spürbar) die rein sprachliche „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK) ergänzen. Oder den sozialwissenschaftlichen Ansatz der „Friedenslogik“: Gewaltfreiheit und Entwicklung konstruktiver Beziehungssysteme. Die Kompetenzen der Taiji-Lehrenden könnten möglichst früh in Bewegung und Spiel an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vermittelt werden, in Schulen und Ausbildungsstätten. Anders als bei „Gesundheitsförderung“ oder bei „Selbstverteidigung“ verfügt Taiji hier über ein Alleinstellungsmerkmal.
Sehr schöne Darstellung, vielen Dank dafür. Auf meinem Weg zu mehr innerem Frieden und Gelassenheit durfte ich erkennen, dass gerade die Beschäftigung mit den Kampfaspekten des Taiji nur die andere Seite der Medaille ist und ich beide Seiten entwickeln muss, um mehr Ausgewogenheit in mein Leben zu bekommen. So hat mir das, was ich nie lernen wollte (Kampfkunst) dabei geholfen mehr in die Mitte zu kommen und mir viel Sicherheit in Konfliktsituationen (nur verbal) geschenkt. So kann ich Deine These aus meiner Erfahrung bestätigen.
Eine schöne Darstellung.
Taiji ist neben anderen Aspekten eine Kampfkunst. Der beste Kampf ist, wenn man gar keinen Kampf führen muss. Jedoch geht das manchmal nicht.
Nach dem Taiji-Prinzip mit dem Weichen das Harte überwinden, kann man entweder den Angriff des Gegners ableiten, so dass er durch sich selbst zu Fall kommt oder ihm seine Energie zurückgeben, so dass sein Angriff direkt auf ihn zurückkommt.
Auch wenn ich diese Art des Kampfes praktizieren möchte, so muss ich in jedem Fall ein hohes Level an Gongfu haben, sprich selbst kämpfen können.
Fazit: Wer Frieden bringen möchte, muss kampffähig sein.
Ja. Allerdings ist „kampffähig sein“ nur zum Teil eine Frage technischer Kompetenz und Fitness. Wichtig ist auch die innere Einstellung. Eine optimale Aktion gleicht der Dynamik des störungsfreien Dualismus (Taiji). Die ideale Einstellung einem leeren Geist (Wuji), ohne Feind, Anhaften oder Gegen-an. Takuan Soho (http://horst-tiwald.de/wisstexte/china/Takuan.pdf) soll zu einem Kämpfer gesagt haben: „Alle wirklich Starken sind freundlich.“
Ja, die Frage, ob sich aus den Grundprinzipien des Tai Chi Chuan eine Friedenskunst ableiten lässt, finde ich faszinierend. Ich habe dazu ein paar Gedanken notiert – eines Menschen, der den geistigen Hintergrund des Taoismus seit Langem studiert. Ich habe also über die innere „Einstellung“ im Tai Chi nachgedacht – also jenes “Vorausgehende”, noch vor Intention, Kontakt, Verbindung und Bewegung. Ich bin kein Tai-Chi-Praktiker, dafür fehlt mir die körperliche Vertrautheit. Mein Wissen kommt nur aus meiner Beschäftigung mit daoistischem Denken und den philosophischen Grundlagen, aus denen Tai Chi historisch hervorgegangen ist. Die Daoisten beschreiben diesen inneren Ort der vorausgehenden Stille mit Wu (無) oder Wu-Wei (無為). Das wird oft missverstanden als „nichts tun“. Gemeint ist vielmehr nicht erzwingen. Laozi formuliert es etwa so: 無為而無不為 Handle, indem du nicht erzwingst – und nichts bleibt ungetan. (Daodejing 48) Zhuangzi formuliert es so:
„Höre nicht mit den Ohren, höre mit dem Herzen. Höre nicht mit dem Herzen, höre mit dem Qi. Das Ohr bleibt beim Hören stehen, das Herz bleibt beim Denken stehen. Das Qi aber ist leer und wartet auf die Dinge.“ Zhuangzi, Kapitel 4) Das entspricht genau der Haltung, in der Bewegung „von selbst“ auftaucht, statt gemacht zu werden. Nicht als Absicht des Ichs, sondern als Antworten auf das, was bereits ist. Wenn ich das, was du beschreibst, richtig erfasse, dann entsteht im Tai Chi ein Ablauf, der nicht technisch, sondern relational ist:
– zuerst innere Ruhe (ohne Selbstbehauptung),
– dann Intention als Lauschen, nicht als Wollen,
– daraus Kontakt ohne Bedrohung,
– dann Verbindung, die ohne Härte bestehen kann,
· und schließlich Bewegung, die sich ergibt, ohne erzwungen zu sein.
In diesem Sinn scheint Tai Chi das zu verkörpern, was Laozi meint, wenn er sagt: 天下之柔,馳騁天下之堅Das Weiche durchdringt und überwindet das Harte. (Daodejing 76) Weichheit ist hier weder Schwäche noch Rückzug, sondern Durchlässigkeit ohne Verlust der Mitte. Deine Frage nach der Möglichkeit, Tai Chi als Friedenskunst zu verstehen, erinnert an Sunzis berühmten Satz: 不戰而勝為上 Der höchste Sieg ist der, der ohne Kampf erreicht wird. (Sunzi, Kap. 3) Nicht aus moralischem Pazifismus, sondern aus Stabilität, die keinen Gegner braucht, weil sie den Konflikt verwandelt, bevor er hart wird. Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob Tai Chi „Frieden lehrt“, sondern welcher körperliche Zustand Frieden möglich macht. Die philosophische Linie scheint klar — die körperlich-gelebte Erfahrung wäre der nächste Schritt. “Frieden ist keine Idee, Frieden ist Praxis”. Gleichzeitig merke ich, dass ich selbst hier tastend bleibe; die Verbindung von körperlicher Praxis und innerer Haltung ist nicht theoretisch abzuleiten. Aber die Richtung scheint sinnvoll. Vielleicht sind dies die Fragen, die sich für ein Weiterdenken lohnen: Wie kann „Ich-losigkeit“ geübt werden, ohne das Ich zu verdrängen? (Ein Kampf gegen das Ich wäre ja wieder Kampf.) Wie zeigt sich Weichheit in einer Welt, die Selbstbehauptung einfordert? Ist Weichheit Haltung, Übung oder Ergebnis? Entsteht Frieden durch Absicht – oder ist er eine Nebenwirkung von Klarheit im Körper?
Lieber Klaus, ich stimme dir in allem zu. Herzliche Grüße nach Yunnan
Liebes Forum, gerade die sanfte und meditative Form des Partner-Taijiquan kann eine die Achtsamkeit fördernde und friedliche Art und Weise des Sich-Bewegens sein. Ich habe dies woanders so formuliert und möchte dies hier einbringen:
„Das Partner-Taijiquan besteht zum einen aus festgelegten Bewegungsweisen zu zweit, die miteinander im Hand-Arm-Kontakt und z.T. mit Schritten und Drehungen, wie ein meditativer Tanz, miteinander durchgeführt werden. Sehr weit Fortgeschrittene gehen dann auch miteinander in das freie Partner-Taijiquan, bei dem es darum geht, dem anderen freundlich darauf hinzuweisen, dass er nicht aufmerksam war, z.B. durch ein Drücken am Ellenbogen oder einem sanften Zug am Arm aus der Balance gekommen ist. Es ist, so wie es die alten Menschen am Perl-Fluss im südchinesischen Guangzhou (Kanton) jeden Morgen übten (und der Autor dies am eigenen Leib erfahren konnte), ein friedliches Miteinander in spielerischer Konkurrenz und großer Achtsamkeit.[5]
Die Beschreibung der Haltungen und Bewegungsweisen sind in einem Zusammenhang mit der Selbst- und Welterfahrung zu sehen, die diese Bewegungssysteme kennzeichnen. Es geht um friedliche und meditative Selbst- und Welterfahrung, auch wenn dies natürlich von der konkurrenzorientierten Versportung und bewegungskolonialen Vereinnahmung – auch in China – bedroht ist.
Vor allem aber bedeutet Taiji aufgrund der Verlangsamung der Bewegungen ein Innehalten und Verweilen. Die Verlangsamung der Bewegung eröffnet die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu werden. Sie ist eine Gegenwelt zur Beschleunigungskultur und zum Sich-Abhetzen in druckvollen Arbeitsverhältnissen.
Mit Bezug auf der im Qigong und Taijiquan enthaltenen ökologischen Verständnismöglichkeit der ‚Fünf Wandlungsphasen‘ formuliert der Osnabrücker Taiji- und Zen-Lehrer Klemens J. P. Speer (2019) hinsichtlich eines spirituell-gesellschaftlichen Engagements gegen die Klimakrise:
‚Hier wäre die geistige Kampfkunst des Taiji gefragt. Da Taiji sich weltweit ausgebreitet hat, könnte es auch weltweit agieren und sich einsetzen (ein ‚neuer, diesmal weltweiter Boxeraufstand‘), wie natürlich auch viele andere nationale und globale Organisationen. Könnten Taiji-Übende nicht tatsächlich, mit ihrer Kenntnis der Wandlungsphasen, ein für alle Menschen leicht nachvollziehbares, hilfreiches Verständnis zu einem globalen sozialökologisch-ökonomischen Gleichgewicht vermitteln?‘
Dies ist ein Zitat von meiner Webseite aus einem längeren Artikel zur gesellschaftlichen Bedeutung meditativer Praktiken:
https://www.klaus-moegling.de/meditation-qigong-taijiquan/
Taijiquan kann als Fitness-Übung eingesetzt werden. Es kann als Kultivierung des eigenen Egos im Sinne einer ästhetischen Selbstinszenierung oder als Wettkampfsport verstanden werden. Doch all dies ist nicht durch den hinter diesem klugen Bewegungssystem stehendem daoistischem Blick auf die Welt angelegt. Taijiquan als Meditation – sei es nun in den Solo-Formen oder dem Partner-Taiji – könnte beim gegenwärtigen Rüstungswahn und dem zunehmend lauter werdenden Kriegsgeschrei beim Innehalten und Entgegenwirken helfen. Wer, der bei sich ist, kann denn einen Krieg zustimmen? Lieber 10 mal erfolglos verhandeln, dann aber etwas erreichen, als in einem Krieg alles zu verlieren, was uns als friedliebende Menschen ausmacht.
Viele Grüße
Klaus Moegling
Die ausführlichen Beiträge von Helmut Jäger, Klaus Hornetz und Klaus Mögling weisen in die richtige Richtung. Auch mein Beitrag ist lang. Für mich ist Taiji noch etwas anders: Ich habe Taijiquan, sowohl als Soloform, als auch als Partnerübung, immer als Meditation in Bewegung verstanden. Meditation weitet, leert (von überflüssigen Gedanken) und öffnet den Geist für einen wertfreien Blick auf das ganze Geschehen (also eine wissenschaftliche Herangehensweise). Dann wird achtsames, emotionsfreies Handeln erst wirklich möglich. Meditation in Bewegung schließt für mich, Entspannung, energetische Wahrnehmung, die gesundheitlichen Aspekte und Kampfkunst mit ein.
Kampfkunst mit der Betonung auf Kunst, nicht auf Kampf, weil Kampf schnell mit brutal assoziiert wird und mit gewinnen wollen. Dann ist sofort das Ego im Spiel, mit sich durchsetzen wollen, egal was es kostet, selbst Spielregeln werden verletzt. Das Ego wird immer durch Angst angetrieben, und beansprucht dann autoritäre Macht, wird überheblich, selbstgerecht, will alles kontrollieren und versucht, sich optimal zu inszenieren. Da gibt es noch viel zu lernen, innerhalb der ganzen Taiji-Szene, auch zwischen den Taiji- und Qigong-Verbänden und auch innerhalb des DDQT. Ja, das ist alles menschlich. Auch ich selbst begreife mich als immer wieder neu Lernenden. Die hohe Philosophie ist dennoch notwendig, wir sollten sie immer wieder mit einem offenen Blick anstreben.
Ja, die Partnerübungen sind ein essenzielles Alleinstellungsmerkmal des Taijiquan! Auch gegenüber dem Qigong. Das Alleinstellungsmerkmal des Qigong sind die Wandlungsphasen, soweit Qigong mit der TCM verbunden ist. Das Gleichgewichtsmodell der Wandlungsphasen allgemein verständlich zu vermitteln, könnte ein Modell für ein globales klimatisch-sozial-ökologisches Gleichgewicht für die UNO sein. Aber wer etabliert es dort? Von all dem sind wir weit entfernt!
Taiji-Partnerübungen haben ein Alleinstellungsmerkmal in dreifacher Hinsicht: egal ob als gleichberechtigter Tanz oder als Kampfkunst mit einzuhaltenden Spielregeln (die sportliche Variante) oder als Lernübung: ich gewinne, du gewinnst, ich verliere, du verlierst. Verlieren ist noch wichtiger als gewinnen, um Fehler zu erkennen. So ist auch ein freundliches Gewinnen möglich, wenn man sich gegenseitig zeigen kann, wo die Standfestigkeit und die Mitte verloren gehen. Dann wird daraus „Du gewinst und ich gewinne“. So gesehen ist Taiji auch eine Übung für Friedfertigkeit und Lernfähigkeit.
Ja, Taiji an die Schulen zu bringen, insbesondere dort, wo es Aggression und handgreifliche Auseinandersetzungen auf den Schulhöfen gibt, wäre sehr wünschenswert. Aber wie kann das wirklich flächendeckend gelingen? Mal abgesehen von Einzelfällen.
Und wie gewinnt der DDQT die 20-Jährigen und die 30- und 40-Jährigen? Zurzeit besteht der DDQT zur Hälfte aus einem Klub von Rentnern, die dem Verein bald wegsterben. Auch ich gehöre dazu. Wie gewinnen wir junge Menschen und neue Mitglieder? Das ist die große Frage des DDQT.
Klemens Speer
Lieber Klemens, deine Sicht entspricht auch meiner. Auch deine Fragen stelle ich mir. So wie dir fehlen mir die Patentrezepte. Ich denke aber, dass wir mehr junge Menschen erreichen können, wenn wir uns an Alleinstellungsmerkmale halten. Das sind sicher nicht „Gesundheit“, denn auch Heigln (bewegung-draussen.de) oder Schwimmen wirken nutzbringend auf Körper und Geist. Und auch nicht Kriegskunst, wie die Kosaken-Kampfkünste (ukrainisch Spas, russisch Systema), MMR oder KravMaga o.ä. Sie stehen gerade hoch im Kurs der Militärs, weil bei ihnen unzweifelhaft festgelegt, wer die Guten und wer die Bösen sind, weil sie kraft- und gewaltvoll „gegen“ irgendetwas kämpfen oder etwas hart aushalten („Blocken“) oder wirksam fliehen (oder wenn alles nicht hilft: kollabieren). Diese Kompetenzen werden in unserer Gesellschaft zunehmend trainiert: gewaltsam, schlauer, trickreich, schneller, siegestrunken weiterkommen. Uns ähnlichere, hocheffektive Kampfkünste (TaiBoxen, Hapkido, Aikido, WingTzun, Judo u.a.) vermitteln vielen Jugendlichen Selbstbewusstsein durch wirksame „Selbstverteidigungstechniken“.
Ich kenne aber neben Taiji keine andere Kampfkunst, die einen dynamischen, reibungsfreien (!) Fluss diametraler Gegensätze wirklich konsequent ins Zentrum rückt. Die also das Prinzip des Ausgleichs, der Harmonie in störungsfreien Wirkbezügen ineinander verwobener innerer und äußerer Systeme betont. Im Deutschen gibt es für (innere und außen ablaufende Systemdynamiken) das Wort Friede: in sozialen Bezügen, in der Medizin, in der Politik, im persönlichen Leben, in Beziehungen, in Ökosystemen, in der Biosphäre und in Zusammenhängen, die wir nicht verstehen können, die uns aber durchdringen.
Im Taiji kann man erleben (wenn man gute Lehrer:innen hat), wie man mit Belastungen auch anders umgehen kann: durch Finden einer günstigen Einstellung (Ruhe und Loslassen, ohne etwas zu wollen), sich (intensions-geleitet) zu verbinden, um dann mühelos eine Dynamik zu begleiten, zu lenken und zu leiten. Also gewinnen, ohne zu kämpfen. Taiji Training könnte vermitteln, dass es in jeder Situation äußerer und innerer Belastung völlig „anders als kriegerisch-üblich“ ablaufen kann: konsequent gewaltlos und (gerade deshalb!) so hocheffektiv. ChengHsin hat hier (nach meinem Erleben) ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, weil es diese Taiji-Prinzipien sehr detailliert durchstrukturiert hat. Diesen Zugang zu Taiji schätze ich aus Erfahrung sehr, aber letztlich steht auch hier im Zentrum eines „spielerischen Kampfes“ ein „Ich“, das etwas „will“: nämlich gewinnen, auf Kosten eines anderen.
Mich interessiert, wie Kriege (egal „gegen“ was auch immer) durch menschentypisch-emotional-intelligentes Verhalten so beeinflusst werden, dass Kollateralschäden bei den Beteiligten gering bleiben und nützliche Formen des Zusammenlebens entwickelt werden. So etwas kann man im Taiji wunderbar bei „Sensing hands“ trainieren (sofern sie nicht in Pushen im Sinne von Schubsen ausarten). Bei Kindern und bei jungen Erwachsenen könnten wir hier geeignete Module entwickeln. Besonders hinsichtlich einer möglichen Zusammenarbeit mit Verbänden wie dem DTB. Norbert (DDQT) zum Beispiel versucht sich damit: https://www.dao-schule.de/files/norberts/Bilder%2006-2020/KIndertaiji-0714.jpg oder Daniel (BVQT): https://www.youtube.com/watch?v=GypxDw3NDF8 oder Marko (SGQT): https://www.space2be.ch/ Wir besitzen hier einen Schatz an Entwicklungsmöglichkeiten. Ich werbe dafür, ihn zu nutzen. Wenn nicht wir, wer sonst?
Lieber Helmut, liebe alle,
vielen Dank für die spannenden Beiträge!
Vielleicht weil ich aus dem Qigong komme, vertrete ich die Meinung, dass der Frieden längst VOR einem Partnergeschehen (egal ob Übung, Spiel oder Kampf) entsteht, denn er entspringt der INNEREN Einstellung des Menschen dem Leben gegenüber.
Dazu fällt mir diese Zen-Fabel ein: ein Meister, der gefragt wurde, was er für den Frieden in der Welt unternehme, antwortete: „Ich mache mir einen Tee.“
Die wichtiste Qualität in diesem Zusammenhang ist Zufriedenheit – die offenbar zum Frieden führt.
Zufriedenheit wird in der Lehre der 5 Wandlungsphasen dem Herzen zugeschrieben als dauerhaftes, nachhaltiges Pendant zu oft flüchtiger Freude. Es liegt also an der Gesundheit des Herzsystems (im körperlichen, energetischen und spirituellen Sinne), ob wir zum-Frieden gelangen können.
Bei einem unregulierten Herzensfeuer wäre es eher schwierig, denn es würde uns zu Gedanken, Emotionen, Taten anstiften, die – egal ob im stillen Kämmerlein oder im offenen Kampf – nicht unbedingt friedlich ausfallen. Damit wird Unfrieden zum aktiven intrinsischen, wenn auch unbewussten, Bedürfnis des Menschen (nicht gleich Mordlust, aber verschiedene Vorstufen davon, von Lästern über die Nachbarn bis zum stillen, unausgesprochenen Hass).
Auch der blockierte Zustand der Leber, aus dem Ärger, Zorn sowie passiver Frust herauswachsen, bilden das Gegenteil von Geduld und Verständnis – den friedensstiftenden Tugenden des Holz-Elements.
Das „Farbspiel“ dieser Zustände und ihrer Facetten kann man tagtäglich im eigenen Inneren beobachten. Zumindest mir geht es so. Leidet die Leber, rast das Herz, so werden ganz andere Gedanken und Szenarien auf die Leinwand des Verstandes projiziert. Dann heißt es, vom Neuen beginnen und den inneren Garten wieder gründlich pflegen.
„Auf die inneren Werte kommt es an.“
Ja, Nataliya, da sprichst du mir aus dem Herzen. Die Einstellung auf das, was sich gerade dynamisch entwickelt, ist entscheidend. Äußeres ändern kann anstrengend sein. Sich innerlich anders einstellen, geschieht schlagartig, mühelos.
Damit beschreibst Du Natalie sehr treffend, mit anderen Worten und ausführlicher, was ich mit einer meditativen Haltung meine!
Tausend Dank an Dich,
Klemens
Liebe Freunde und Kolleginnen
Ja, Taiji kann sehr friedvoll sein. Und es kommt auf die innere Einstellung, auf die innere Absicht bzw. Nicht-Absicht an (wenn es die überhaupt gibt, das Leben hat schon eine Absicht an und für sich).
In den vielen bisherigen Beiträgen sind so viele der wunderbaren Eigenschaften des Taiji hervorgehoben worden und ich gehe da auf jeden Fall mit.
Eine Eigenschaft die mir sehr wichtig ist, ist das Ja-Sagen im Taiji. Wir akzeptiern die Person die uns gegenüber steht und sind bereit anzunehmen was kommt und sind gespannt was daraus größeres geschehen wird.
Das habe ich in meiner Wushu-Zeit anders erlebt: Immer bereit zu kämpfen, komm mir nicht zu nah, ich habe einen weichen Kern zu schützen. Im Taiji erlebe ich das genau umgekehrt. Außen weich wie Watte und innen stark, das Eisen, die Mitte.
Taiji wurde erfunden und geübt um auf Dauer einen Vorteil im Kampf zu haben und um zu siegen.
Schaut euch mal China an. Sehr viele Chinesen kennen die daoistischen Schriften und viele üben Taiji und manchmal habe ich den Eindruck, so wie China es schafft seine globale Weltmacht auszubauen ohne einen Kanoneschuss abzugeben, da steckt auch ein Stück Taiji dahinter. Die Lücken und Schwächen erkennen und nutzen.
Auch heute üben Kämpfer oft Taiji um einen Vorsprung zu haben, so auch im Spitzensport wo Qigong eingesetzt wird – um zu siegen!!!
Wofür benutze ich ein Messer? Zum Brot teilen oder um jemanden zu bedrohen. Ja, es kommt auf die innere Einstellung an.
Wirklich Ego-los werden wir erst nach der 4. (spirituellen) Initiation. Die allerwenigsten Menschen erreichen diesen Zustand in diesem einen Leben.
Für mich ist Taiji ein spiritueller Weg zur inneren Selbstkultivierung. Ein langer und unter Umständen mühevoller Weg und endlos ist er auch. Man kann sein Leben diesem Weg widmen. Und Taiji ist möglicherweise aktuell der beste Weg zur inneren Kultivierung. Mit Herz, Kopf und Bauch.
Leider ist Taiji nicht für alle geeignet. Es muss ein inneres Suchen, eine Sehnsucht, ein Brennen da sein, dass Leute zum Taiji führt, sie dranbleiben und in die Tiefe gehen lässt.
Die meisten Menschen machen es um etwas ruhiger zu werden und wegen des positiven Effektes auf die Gesundheit. Das ist auch ok, macht uns aber nicht gleich zu besseren Menschen.
Zu hoffen, dass wir die Welt verändern könnten wie mit einem globalen Boxeraufstand ist zwar ein verlockender Gedanke kann zu groben Selbstüberschätzungen führen. Der in China wurde elendig niedergeschlagen.
Kinder in Berührung mit Taiji und Qigong zu bringen ist eine gute Möglichkeit ihnen eine gute Basis mit auf den Weg zu geben und ihnen diesen 3. Weg ebenfalls zeigt der nicht Angriff oder Flucht sondern durchfließen lassen und nutzen der Kraft die auf mich wirkt kennen zu lassen.
Werden sie aber z.B. in der Schule gezwungen solche Übungen zu machen kann es zu widerstrebenden Kräften kommen. Es sollte auf freiwilliger Ebene und spielerisch eingeführt werden. Dann eröffnet Taiji körperlich, emotional und geistig viele Möglichkeiten für die Zukunft.
Aber Achtung: Auch in der „gewaltfreien Kommunikation“ habe ich Leute erlebt die diese Methode benutzen um andere zu manipulieren. Taiji ist von solchen Gefahren nicht befreit.
Lieber Norbert, du hast die Zusammenhänge erlebt und bist zugleich erfahren in vielen Details. Das macht deine Aussagen so wertvoll. Ja, Taiji Quan bietet uns Möglichkeiten, die wir in anderen Formen achtsamer Bewegung oder anderen Kampfkünsten so nicht finden. Diese Zahl der Möglichkeiten können wir vermehren und entwickeln (eine davon ist für mich Friedenskunst). Zugleich ist es gut auch wachsam zu sein für Gefahren, die mit jeder wirksamen Methode zwangsläufig verknüpft sein können.
Ich unterrichte seit 9 Jahren Kinder im Taiji und Qigong an Grundschulen, auch eine Brennpunktschule war einige Jahre dabei. Es gilt den Kindern zu zeigen, dass es Taiji und Qigong gibt und was man für Möglichkeiten damit hat. Natürlich soll es Spaß machen. Und ja, sie wollen kämpfen und gewinnen. Aber ohne Standfestigkeit, ein bisschen Technik und die Kenntnis über die eigenen Möglichkeiten, wird man schnell zum Verlierer. Die Kinder begreifen dies schnell.
Nicht nur für Kinder, auch für uns Erwachsene gilt es, den eigenen Handlungsspielraum kennenzulernen. Worauf muss ich achten, wenn ich angreife? Ist es sinnvoll anzugreifen? Wie gehe ich mit Energie um, die mir entgegengebracht wird? Welche Möglichkeiten habe ich? Und das Wichtigste: wo sind meine eigenen Grenzen?
Dies alles lehrt Taiji.
Gerade Partnerübungen sind für den nächsten Schritt hilfreich. Sich nämlich auf das Gegenüber einzustellen – in Resonanz zu gehen. Auszuloten – was ist die Absicht des Gegenübers? Welcher Lösungsweg ist mit diesem Gegenüber sinnvoll.
Aus diesem Grund ist es unerlässlich unsere Sinne zu schulen. Sich in Wahrnehmungsübungen und Achtsamkeit zu üben, auch mit Übungen aus dem Qigong und Chan Mi Gong.
Denn nur wer sich selbst wahrnimmt, kann auch andere wahrnehmen und auf sie eingehen und das große Ganze besser verstehen.
Zwischen den beiden Polen Krieg und Frieden (wenn man von dieser Dualität ausgehen möchte), liegen viele Möglichkeiten. Die Mutter aller Polaritäten sollte aber immer unser Herz sein. Unser Geist (Shen) wohnt auch im Herzen.
In der chinesischen Vorstellung wird das Herz als der Kaiser bezeichnet. Ein Kaiser regiert und wacht – im Idealfall – mit klarem Verstand und liebevoller Aufmerksamkeit sowohl über unseren Körper als auch über Staaten.
Wenn wir Taiji, Qigong und Chan Mi Gong auf mit diesem Wissen praktizieren, dann sind diese Künste ein Weg von Herz zu Herz.
Ja, liebe Sabine, gerade bei Kindern ist das spielerische „Gewinnen und Verlieren“ notwendig, um sich selbst, andere und die Beziehungen dazwischen zu entdecken. Im Cheng Hsin (der Taiji-Variante von Peter Ralston) wird daher einerseits die reale Wirksamkeit einer Kampfkunst betont und zugleich die Gewaltlosigkeit zugewandt freundlicher Menschen. Wie in einem guten Schach-Club, in dem sich alle darin üben zu gewinnen, sich zugleich respektieren und Spaß in gemeinsamer Beziehung haben. Durch die Qualität des spielerisch lebensfrohen, wertschätzenden Kräftemessens können wir Kinder und Jugendliche erreichen. Ja: Die dafür notwendige Einstellung kommt von Herzen.
Ja, für Kinder und Jugendliche ist das körperliche Rangeln und Kämpfen wichtig. Da finden sich im Taiji die passenden Spielregeln. So kann Freude am Kämpfen und Gewinnen vermittelt werden und Gelassenheit beim Verlieren. Und es kann gelernt werden, sich an Spielregeln zu halten und ihre Sinnhaftigkeit zu reflektieren.
Im Erwachsenenalter sollte der Fokus auf die inneren Qualitäten gerichtet werden. Dann ist inneres „Schattenboxen“ die Aufgabe, auch hier kann viel gewonnen werden und innere Arbeit ist die Aufgabe. Das heißt nicht, dass diese Arbeit immer nur leicht und angenehm ist. Also es ist auch Kämpfen mit sich selbst angesagt, Kämpfen mit dem eigenen Ego, um es loszulassen. Cheng Man Ching sprach davon, „in das Verlieren zu investieren“. Damit war das Loslassen gemeint. Da steht oft unser Selbstbild im Wege, das viel zu viel an überflüssigen Gedanken und an Gedankenmustern festhält, wie „Ich will das“ oder „Ich kann das nicht“. Je mehr der Geist vom Denken befreit ist, desto offener kann er sein und Neues lernen.
Die nächste große Hürde, sind die eigenen Emotionen und Gefühle, die oft die Gedanken antreiben oder auch umgekehrt. Das aufgeblasene Ego hat große Angst vor dem Tod, nicht nur vor dem Ego-Tod, sondern auch vor dem biologischen Tod. Aber unser aller Leben ist mit Sicherheit endlich. Da dem Ego die Angst vor dem Tod nicht bewusst ist, möchte es alles kontrollieren und fest im Griff haben und will mit Macht seine Interessen durchsetzen. Die Interessen der Anderen werden dann überrollt und gar nicht wahrgenommen. Daher ist auf dem spirituellen Weg die Sterbebegleitung von anderen, auch nachstehenden Menschen, so hilfreich.
Angstfreiheit ist nur möglich, wer sich seiner Endlichkeit stellt und sie tief in seinem Inneren akzeptiert. Das sagen alle tiefen spirituellen Traditionen: „Stirb, bevor Du stirbst! – Damit Du wirst, der Du bist!“ Erst dann sind wir wirklich innerlich frei. Das erfordert die Auseinandersetzung mit unserer Todesangst und macht tiefes Erwachen oder „Einssein mit dem Dao“ erst möglich. Bis dahin ist es oft ein langer Weg. Andererseits ist das „Einssein mit dem Dao“ auch immer schon ganz in unserer Nähe, und wenn es erfahren wurde, kann es bis zum Lebensende vertieft werden.
…spannende Gedanken allesamt.
Ich finde, es lohnt, eure Hinweise einsickern zu lassen…
Da ist ganz viel Tiefe drin, die ins eigene Leben gebracht werden will.
Sicher im Eigenen sein – soweit möglich anpassungsfähig, standfest und wehrhaft,
im Kontakt spielerisch, sorgsam, kraft- und friedvoll,
sich unterhalten und neugierig sein, den anderen erleben, aushalten, dass er/sie anders ist,
aufeinander zugehen und zueinander Ja-sagen… dabei aber nicht immer ja sagen und klare Grenzen ziehen zu allem, das destruktiv ist und mein oder anderes Leben bedroht.
Ein Balanceakt, der viel sachte und wache Präsenz erfordert, ohne dem Leben die Freude eines spontanen Ausbruchs von abweisendem Ärger zu nehmen.
Darauf weist auf eine Erkenntnis eines Revoluzzers seiner Zeit hin, Novalis:
„Stärke läßt sich durch Gleichgewicht ersetzen – und im Gleichgewicht sollte jeder Mensch bleiben –
denn dies ist eigentlich der Zustand seiner Freiheit.“ (Novalis)
Ob ich das alles immer kann?
Sicher nicht.
Für mich lohnt es sich, nach dem Ziel zu streben.
Auch dazu ein Zitat eines großen Deutschen, Immanuel Kant:
Es ist ein
„Ideal, und es schadet nichts, wenn wir auch nicht gleich im Stande sind, es zu realisieren. Man muß nur nicht gleich die Idee für schimärisch halten, und sie als schönen Traum verrufen, wenn auch Hindernisse bei ihrer Ausführung eintreten. Eine Idee ist nichts anderes, als der Begriff der Vollkommenheit, die sich in der Erfahrung noch nicht vorfindet.“
So gilt auch für eine Friedenskunst Taijiquan:
„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Karl Valentin
Lieber Christian, ich sehe dich vor mir, sehr erfahren und zugleich offen und fragend. Wir betrachten Gleiches und entdecken gemeinsam Neues. Taiji ist hocheffektive Kriegskunst. Mit der Besonderheit (im Vergleich zu anderen Kampftechniken), dass wir weder gegen einwirkende Kräfte schlagen, noch vor ihnen fliehen. Wir üben die Möglichkeit, uns gelassen mit der Dynamik einer Situation zu verbinden, und so die Zahl der Handlungsmöglichkeiten zu vermehren. Wie der Arzt und Physiotherapeut Cheng, der die Kampf-Wirksamkeit von Taiji demonstrieren will (www.youtube.com/watch?v=v4pezeJWpVM) und zugleich den Aspekt zeigt, warum Taiji (gerade auf der Basis der konsequenten Anwendung des Grundprinzips) gesund sein könnte: Er geht mit einer Dynamik und nicht gegen sie, und wendet das gleiche Prinzip offenbar in der Osteopathie an (www.obtglife.io/mark-cheng). Taiji-Prinzipien eröffnen eben nicht nur Handlungs-, sondern auch Behandlungsmöglichkeiten (wie bei Cheng Man Ching, der u.a. das kränkliche Kind Ben Loh unterrichtete, bis der es dann zur Meisterschaft brachte). Friedensfähigkeit ist ein anderer Gesichtspunkt. Sie bedeutet äußere Harmonisierung, die mit dem Aspekt innerer Harmonisierung (Gelassenheit, Gesundheit) verwandt ist. „Gewaltfreie Kommunikation“ (im Inneren wie im Äußeren) zu kultivieren wäre gerade deshalb eine Chance der Weiterentwicklung unserer Kompetenzen, weil Taiji auf radikal anderen (intelligenten) Formen psychisch-körperlicher Bewegungskunst basiert (und gerade deshalb so hocheffektiv sein kann). Aus dem Vertrauen in eine Gesetzmäßigkeit, einen Sinn und die eigene Kompetenz, kann sich eine ruhige Einstellung ergeben, selbst angesichts des Todes. Und in jeder Art von Konflikt ist es diese Einstellung, die uns (und andere) „gewinnen“ lässt, ohne zu „kämpfen“. Ich wünschte, das es uns gelänge mehr Jugendliche neugierig machen. Darauf, dass die Antwort auf brutale Kraft (Gewalt) nicht mehr brutale Kraft (Gewalt) sein muss.